Regionales Handwerk

Handwerk aus der Oberlausitz und Niederschlesien

Auf beiden Seiten der Neiße, entlang der via gustica gibt es eine Vielzahl an Handwerkskünsten, die seit vielen Jahrhunderten gepflegt werden. Die Palette der Handwerkstraditionen in der Region ist bunt: Töpfer, Weber, Goldschmiede, Tischler, Korb- und Stellmacher, traditionsreiche Mühlenbetriebe und eine der letzten Kokoswebereien in Deutschland. 


Weben

Das Verarbeiten von Wolle und Flachs hat eine lange Tradition. So verhalfen Tuchmacher und Leineweber den Städten schon im Mittelalter zu wirtschaftlicher Blüte. Wegen der guten Qualität war die Ware im In- und Ausland gefragt. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde leichtes und kühlendes Leinen aus der Oberlausitz sogar bis in den Orient, Afrika und Amerika exportiert. 

1666 hatten die Großschönauer Leineweber Friedrich und Christoph Lange die Damastweberei in Holland kennengelernt und sie in ihrer Heimat eingeführt. Schon wenige Jahrzehnte später war der Großschönauer Damast weltbekannt. In keinem anderen Ort Deutschlands wurde so lange und so viel Damast gewebt, wie in diesem Dorf. Unter diesen Bedingungen entwickelte sich seit dem späten 18. Jahrhundert eine reiche Tradition der Textilproduktion in Niederschlesien und der Oberlausitz.

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Deutsches Damast- und Frottiermuseum

Leinenmanufaktur von Kleist


Blaudruck

Der Blaudruck wird für Deutschland erstmals 1689 in einer Augsburger Chronik erwähnt. Der Schön- und Schwarzfärber Jeremias Neuhof hatte als erster das damals neue Reservedruckverfahren mit Indigoüberfärbung angewendet. Pate für diese Farbgebung stand das zu dieser Zeit beliebte Chinaporzellan.

In der Oberlausitz ist der Blaudruck bereits vor 1739 beheimatet. So ist es aus alten Wanderbüchern der Blaudruckergesellen zu entnehmen. Die Pulsnitzer Werkstatt ist heute vermutlich die älteste noch in Deutschland arbeitende Blaudruck- Manufaktur. Sie praktiziert das Verfahren in seiner ursprünglichen Art und Weise. An großen Drucktischen werden Baumwoll- und Leinenstoffe Stück für Stück mit Modellen (Holzformen) bedruckt.

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Blaudruckwerkstatt Pulsnitz


Töpferhandwerk

Töpferhandwerk

Die reichen Tonvorkommen der Oberlausitz boten den Handwerksbetrieben schon in zurückliegenden Jahrhunderten günstige Voraussetzungen. Die Arbeit mit der Töpferscheibe wird in vielen Familienbetrieben noch heute gepflegt. Die aufwändigen Dekore werden ebenfalls in liebevoller Handarbeit mit Schwämmel- oder Maltechnik aufgebracht.

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Töpferei Frommhold


Pfefferküchler

Pulsnitzer Pfefferkuchen

1558 wurde die Pfefferkuchenbäckerei in Pulsnitz erstmals urkundlich in einem Bäckerinnungsbrief erwähnt, in dem die Zunftbestätigung der Bäcker von 1468 erneuert wurde. Ende des 16. Jahrhunderts stellten einige Brot- und Weiß-bäcker schon große Mengen Pfefferkuchen her, im wesentlichen für den städtischen Bedarf. 

Erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts findet man Bäckereien, die ausschließlich Pfefferkuchen herstellen. Viele der Handwerksbetriebe blieben im Familienbesitz und verwenden bis heute geheimgehaltene und immer weiter verfeinerte Rezepte. Nur die besten Gewürze, wie Zimt, Kardamon, Muskatblüte, Muskatnuß, Koriander, Fenchel und Anis, werden verarbeitet. Da man diese im Mittelalter wenig bekannten Gewürze allgemein als Pfeffer bezeichnete, hießen die Erzeugnisse im Volksmund »Pfefferkuchen«.

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Museum Pfefferkuchen-Schauwerkstatt

Museum – Alte Pfefferküchlerei Weißenberg


Advents- und Weihnachtssterne

Vor über 160 Jahren im Schoß der Herrnhuter Brüdergemeine entstanden, gilt der Herrnhuter Stern als Ursprung aller Weihnachtssterne. Der Geschäftsmann Pieter Hendrik Verbeek erfand am Ende des 19. Jahrhunderts den ersten stabilen, zusammensetzbaren Stern. In den folgenden Jahren entwickelte Verbeek die Bauweise weiter, gründete die »Sterngesellschaft mbH« und meldete 1925 den ersten körperlosen Stern zum Patent an.

Bis heute gibt es das historische Ladengeschäft, wo seit 1925 die Herrnhuter Sterne erworben werden können. Seit dem Jahr 2010 vereint die neue Manufaktur Produktion und Schauwerkstatt unter einem Dach. Für Groß und Klein wird die großzügige Schauwerkstatt und eine umfassende Ausstellung zur Geschichte des Herrnhuter Sterns zu einem wahren Erlebnis.

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Herrnhuter Sterne GmbH


Drechsler- und Holzspielzeugmacherhandwerk

Drechsler- und Holzspielzeugmacherhandwerk

Sachsen ist seit dem frühen 19. Jahrhundert für die Spielzeugfertigung und deren Export in alle Welt bekannt. Nicht nur im Erzgebirge verstanden sich Drechsler und Schnitzer auf die Fertigung von Spielzeug und weihnachtlichen Dingen. Auch in der böhmischen und sächsischen Oberlausitz haben sich Teile dieser alten Volkskunst bis in unsere Tage erhalten.

So können interessierte Besucher neben Herrnhuter Weihnachtssternen auch die alte böhmische und oberlausitzer Krippenkunst der Schluckenauer und Schirgiswalder Gegend aus 150-jährigem Familienbesitz bewundern. In der Cunewalder Talgemeinde hat sich der Brauch des Tragens der Lausitzer Pyramidenleuchter zur Christnachtsandacht am 24. Dezember seit dem Jahr 1817 bis heute erhalten.

In der Oberlausitz führen noch zwei Handwerksmeister das Drechsler- und Spielzeugmacherhandwerk aus. Sie stellen heute Oster- und Storchenreiter, Oberlausitzer Traditionsfiguren, Weihnachtspyramiden und Spieluhren in alter Tradition her.

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Sächsische Handwerkskunst Gotthard Steglich

Kunsthandwerkliche Holzgestaltung Steffen Kaiser

Urlaub auf dem Land

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